Nachgefragt bei… Freya Lemcke
Beim Format „Nachgefragt bei …“ kommen regelmäßig europäische Stimmen in Form eines Kurzinterviews zu Wort. Anlässlich der aktuellen Debatten zum EU-Binnenmarkt und zur Wettbewerbsfähigkeit der Europäischen Union haben wir mit Freya Lemcke, Leiterin der Vertretung der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) in Brüssel, Mitglied des Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschusses sowie EBD-Vorstandsmitglied, über zentrale Herausforderungen und Perspektiven für den europäischen Wirtschaftsstandort gesprochen.
Frau Lemcke, welchen Blick haben Industrie und Handel auf die aktuellen geopolitischen Entwicklungen besonders im Hinblick auf das transatlantische Verhältnis und mögliche Schlussfolgerungen für Europa?
Freya Lemcke: Die deutsche Wirtschaft verfolgt die Zunahme der geopolitischen Spannungen, die auch vermehrt die EU und Deutschland betreffen, mit großer Sorge. Anfang 2025 haben die USA ihre Handelspolitik grundlegend neu ausgerichtet. Umfangreiche Zollerhöhungen erschweren seither das Außenhandelsgeschäft deutscher Unternehmen erheblich. Auch die Unsicherheit mit Blick auf neue Maßnahmen im US-Geschäft hält an – es bleibt zentral, dass die EU hier entschlossen und geschlossen handelt.
Wie gut ist die EU aktuell im internationalen Wettbewerb aufgestellt und welche Rolle könnten dabei Handelsabkommen wie das kürzlich verhandelte EU-Indien-Abkommen spielen?
Freya Lemcke: Derzeit sind 44 EU-Handelsabkommen mit 76 Ländern in Kraft, mit vielen weiteren Ländern werden Abkommen verhandelt und ratifiziert. Hier muss die EU einen Gang höher schalten, um strategische Abhängigkeiten abzubauen, Lieferketten zu diversifizieren und die Wirtschaftsbeziehungen abzusichern. Insbesondere das Abkommen mit Mercosur, aber auch neue mit Indien, Indonesien und weiteren Ländern sollten rasch umgesetzt werden.
Welche konkreten Schritte sollte die EU umsetzen, um Europa und den Binnenmarkt zu vertiefen?
Freya Lemcke: Der Binnenmarkt stärkt die EU dann, wenn er ein funktionierender Markt ist - nicht nur politisches Werkzeug. Sein Ziel sollte sein, den Austausch von Waren, Dienstleistungen, Kapital und Menschen wieder einfacher zu machen und Barrieren in der Praxis abzubauen. Unternehmen nennen da z.B. die Nutzung der e-Declaration, eine Vereinfachung und Digitalisierung der A1-Bescheinigung, das Vermeiden von unterschiedlichen Anforderungen an Waren durch verschiedene Auslegungen von Richtlinien.


