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Reformdruck und geopolitischen Krisen | EBD De-Briefing Europäischer Rat 

Beim EBD De-Briefing Europäischer Rat am 23. März 2026 blickte die Europäische Bewegung Deutschland e.V. (EBD) gemeinsam mit Ole Funke, Leiter der Gruppe 52 (Bundeskanzleramt), und Gosia Binczyk, stellvertretende Leiterin der Vertretung der Europäischen Kommission in Deutschland zurück. Die Begrüßung erfolgte durch Konrad Klingenburg, Bundesvorstandssekretär des DGB-Bundesvorstands. Von Seiten der EBD wurde die Veranstaltung von Bernd Hüttemann, Generalsekretär EBD, moderiert und von Dr. Anna-Maija Mertens, Präsidentin EBD, politisch eingeordnet.

Wettbewerbsfähigkeit als zentrale Agenda des Europäischen Rates

Im Mittelpunkt der Beratungen des Europäischen Rates stand die Wettbewerbsfähigkeit, die als zentrale Priorität weiter konkretisiert wurde. Ziel war es, bestehende Initiativen zu bündeln und mit klaren Fristen zu versehen. Die Schlussfolgerungen des Rates enthalten entsprechend zahlreiche Maßnahmen, die bis zum Sommer bzw. bis Ende 2026 umgesetzt werden sollen. Dies ist insbesondere mit Blick auf die Wahlen in mehreren Mitgliedstaaten im kommenden Jahr von Bedeutung. Ein wesentlicher inhaltlicher Bestandteil ist der Bürokratieabbau, insbesondere durch sogenannte Omnibuspakete. Auch im Bereich der Künstlichen Intelligenz wurde Handlungsbedarf identifiziert, etwa um Doppelregulierungen zu vermeiden, die derzeit zu zusätzlichen Belastungen für Unternehmen führen.

Binnenmarkt: Fortschritte und offene Dossiers

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Vertiefung des Binnenmarkts. Unter anderem wurde das sogenannte „28. Regime“ - die "EU Inc." diskutiert, das Unternehmen eine zusätzliche, europäische Rechtsrahmenoption eröffnen soll. Es wurde das klare Ziel formuliert, die Arbeiten bis Ende des Jahres abzuschließen. Fortschritte wurden zudem bei der sogenannten E-Declaration erzielt, die insbesondere die A1-Bescheinigung vereinfachen soll. Nach längerer Blockade besteht nun Einigkeit darüber, dieses Vorhaben voranzubringen.

Energiepreise und Klimapolitik: Kontroverse Debatten

Breiten Raum nahmen die Diskussionen über Energiepreise und die Ausgestaltung der europäischen Klimapolitik ein. Dabei wurde deutlich, dass das bestehende Strommarktdesign von den meisten Mitgliedstaaten nicht grundsätzlich infrage gestellt wird. Kontroverser gestaltete sich hingegen die Debatte um das EU-Emissionshandelssystem (ETS). Einige Mitgliedstaaten fordern grundlegende Änderungen, während das ETS weiterhin als zentrales Instrument zur Erreichung der Klimaziele gesehen wird. 

Geopolitische Herausforderungen und die Handlungsfähigkeit der EU

Die Beratungen des Europäischen Rates waren stark von aktuellen geopolitischen Entwicklungen geprägt. Insbesondere der Krieg in der Ukraine und die Lage im Nahen Osten beeinflussten die Diskussionen erheblich. Deutlich wurde, dass außenpolitische Krisen zunehmend auch wirtschaftspolitische Folgen haben.

Im Zusammenhang mit der ungarischen Blockade des 90-Milliarden-Pakets für die Ukraine konnte keine Lösung gefunden werden. Die Blockade und Vorgehen Ungarns wurde als grundsätzliche und schwerwiegende Belastung für die vertrauensvolle Zusammenarbeit innerhalb der EU hervorgehoben. Gleichzeitig wurde betont, dass unterschiedliche politische Positionen legitim sind, jedoch im Einklang mit den gemeinsamen Regeln der Union vereinbar sein müssen.

Kommentar der EBD-Präsidentin

Anna-Maija Mertens ordnete die Ergebnisse des Europäischen Rates in einen größeren geopolitischen Kontext ein und betonte die Notwendigkeit eine der europäischen Souveränität und Handlungsfähigkeit. Dabei hob sie insbesondere die Bedeutung eines funktionierenden Binnenmarkts - zu der die EBD auch ein Positionspaper veröffentlicht hat -, einer stärkeren Kapitalmarktunion sowie einer koordinierten Energiepolitik hervor. Zugleich machte sie deutlich, dass wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit untrennbar mit Rechtsstaatlichkeit, Demokratie, gesellschaftlicher Verankerung und Nachhaltigkeit verbunden ist. Um diesen Ansprüchen gerecht zu werden, brauche es nicht nur die konsequente Nutzung bestehender Instrumente, sondern auch den politischen Mut zu institutionellen Reformen.

Das De-Briefing fand im Hans-Böckler-Haus mit freundlicher Unterstützung unserer Mitgliedsorganisation DGB statt.

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