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Stabilität statt Hektik: EZB bleibt ihrer Linie treu | EBD De-Briefing EZB-Rat

Von links nach rechts: Dr. Reinhold Rickes (Chefvolkswirt beim DSGV), Bettina Landau (Senior Adviser in der Generaldirektion Volkswirtschaft der EZB), Bernd Hüttemann (Generalsekretär der EBD)

Am Freitag, den 6. Februar 2026, stellten Gabriel Glöckler, Principal Adviser in der Generaldirektion Kommunikation der Europäischen Zentralbank (EZB), und Bettina Landau, Senior Adviser in der Generaldirektion Volkswirtschaft der EZB, die Ergebnisse der jüngsten EZB-Ratssitzung vor. Das De-Briefing fand in Zusammenarbeit mit und bei unserer Mitgliedsorganisation, dem Deutschen Sparkassen- und Giroverband e.V. (DSGV), statt. Im Mittelpunkt standen die geldpolitische Lage im Euroraum, globale Unsicherheiten sowie strukturelle und technologische Zukunftsfragen Europas. Die Begrüßung übernahm Dr. Reinhold Rickes, Chefvolkswirt beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV). Durch das De-Briefing führte Bernd Hüttemann, Generalsekretär der Europäischen Bewegung Deutschland e. V..

Geldpolitische Lage im Euroraum

Zu Beginn wurde das Wachstum im Euroraum insgesamt positiv eingeordnet. Nach der Rekordinflation der vergangenen Jahre bewegt sich die Inflationsrate im Euroraum im Januar mit 1,7 % wieder im Zielkorridor und nähert sich damit der Zielmarke von 2 % an. Innerhalb der Eurozone zeigen sich jedoch deutliche Unterschiede bei den Inflationsraten - von rund 0,4 % in Frankreich bis zu 4,2 % in der Slowakei. 

Die Inflationsaussichten werden insgesamt stabil eingeschätzt. Auch für das Jahr 2027 wird eine durchschnittliche Gesamtinflation unter 2 % erwartet. Gedämpfte Energiepreise tragen derzeit maßgeblich zur Entspannung bei. Mittelfristig, insbesondere mit Blick auf das Jahr 2028, wird jedoch wieder ein Anstieg der Energiepreise erwartet.

Vor diesem Hintergrund wird eine abwartende geldpolitische Strategie als angemessen bewertet. Der EZB-Leitzins bleibt unverändert bei 2 %. Der geldpolitische Fokus liegt weiterhin klar auf der Sicherung der Preisstabilität im gesamten Euroraum.

Lichtblick Arbeitsmarkt im Euroraum

Das Wirtschaftswachstum im Euroraum liegt bei rund 1,5 % und der Arbeitsmarkt präsentiert sich weiterhin robust. Die Arbeitslosenquote liegt auf historisch niedrigen Niveaus und wird Prognosen zufolge unter 6 % bleiben. Gleichzeitig bestehen jedoch Herausforderungen, unter anderem durch weiterhin hohe Jugendarbeitslosigkeit, einen schwachen Beschäftigungszuwachs.

Institutionelle Stabilität und globale Unsicherheiten

Zweifel an der Unabhängigkeit der US-Notenbank Fed sowie Debatten über eine mögliche politische Einflussnahme in den USA sorgen derzeit für Verunsicherung an den globalen Finanzmärkten.

Vor diesem Hintergrund wurde betont, dass Europa die institutionelle Unabhängigkeit der EZB sichtbar verteidigen müsse. Vertrauen in Geldpolitik entsteht durch verlässliche Regeln und starke Institutionen - nicht durch Tagespolitik. Die Unabhängigkeit der EZB ist rechtlich klar verankert und fest in das institutionelle Gefüge der Europäischen Union eingebettet. Der kontinuierliche Austausch mit politischen Akteuren und -innen liegt im Eigeninteresse einer stabilitätsorientierten Geldpolitik. Auf politischer Ebene besteht breite Unterstützung, da eine stabile Geldpolitik als grundlegende Voraussetzung für Vertrauen in Europa gilt.

Europas Zukunft zwischen Transformation und demografischem Wandel 

Für zentrale Zukunftsziele wie die grüne Transformation und die Stärkung der Sicherheit ist grundsätzlich ausreichend Kapital vorhanden. Zudem wurde betont, dass der Euro und der europäische Zahlungsverkehr für das digitale Zeitalter gestärkt werden müssen. Große private Zahlungsdienstleister verfügen derzeit über erheblichen Einfluss, was Abhängigkeiten und Risiken mit sich bringt. Ein zukunftsfähiges Zahlungssystem muss frei verfügbar sein, im gesamten Euroraum funktionieren, als Zahlungsmittel anerkannt und rechtlich klar autorisiert sein. Entscheidend ist zudem das Vertrauen der Bevölkerung in die dahinterstehende Institution.

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