Nachgefragt bei… Matthäus Fandrejewski
Im Format „Nachgefragt bei …“ kommen regelmäßig europäische Stimmen in Form eines Kurzinterviews zu Wort. In dieser Ausgabe sprechen wir mit Matthäus Fandrejewski, der sich aus dem Vorstand verabschiedet, über seine Erfahrungen und Perspektiven.
Matthäus Fandrejewski ist europäischer Jugendvorsitzender der unabhängigen Gewerkschaften Europas (CESI) seit 2013 und Mitglied der komba-Gewerkschaft. Zusätzlich ist er seit 2022 Vorsitzender der dbb Jugend.
Herr Fandrejewski, wenn Sie auf Ihre Zeit im EBD-Vorstand zurückblicken: Welcher europapolitische Moment oder welche Debatte hat Ihre persönliche Sicht auf Europa besonders geprägt – und warum?
Mich hat besonders die Debatte um Rechtsstaatlichkeit in der EU geprägt. Dabei wurde mir noch einmal sehr deutlich, dass Europa weit mehr ist als ein Binnenmarkt oder ein Verwaltungsraum ist. Europa ist eine Wertegemeinschaft, die sich an ihren Grundprinzipien messen lassen muss. Gerade in Zeiten, in denen demokratische Standards unter Druck geraten, braucht es die klare Haltung, dass Rechtsstaatlichkeit nicht verhandelbar ist. Für meine persönliche Sicht auf Europa war wichtig zu erkennen: Es reicht nicht, gute europäische Ziele zu formulieren — man muss sie auch schützen und durchsetzen. Genau darin liegt für mich die Stärke, aber auch die Verantwortung Europas.
Welche europapolitische Frage wird aus Ihrer Sicht in Deutschland unterschätzt?
Aus meiner Sicht wird in Deutschland die Frage der europäischen Handlungsfähigkeit häufig unterschätzt. Es wird viel über einzelne politische Inhalte gesprochen, aber zu selten darüber, ob die Europäische Union überhaupt schnell, klar und wirksam entscheiden kann. Dabei ist das die Voraussetzung dafür, dass Europa in Krisen, bei Sicherheitsfragen, in der Wirtschaft oder bei Migration verlässlich handeln kann. Wer Europa ernst nimmt, muss deshalb auch über institutionelle Reformen, Mehrheitsentscheidungen und die Durchsetzung gemeinsamer Regeln sprechen. Das ist keine technische Detailfrage, sondern eine zentrale Zukunftsfrage für die Glaubwürdigkeit und Wirksamkeit Europas.
Sie kommen aus dem Bereich des öffentlichen Dienstes und der Interessenvertretung von Beschäftigten: Wo erleben Beschäftigte und Beamtinnen bzw. Beamte Europa heute ganz konkret in ihrem Arbeitsalltag – und in welchen Bereichen wird der Einfluss europäischer Politik aus Ihrer Sicht noch zu wenig wahrgenommen?
Europa begegnet Beschäftigten und Beamtinnen sowie Beamten im Alltag sehr konkret — etwa bei Arbeitsrecht, Datenschutz, Gleichbehandlung, Vergaberegeln, Mobilität oder Förderprogrammen. Viele europäische Entscheidungen wirken direkt in den Behörden, Verwaltungen und Betrieben, werden dort aber oft nicht sofort als „Europa“ wahrgenommen. Gleichzeitig zeigt sich der Einfluss europäischer Politik besonders dann, wenn neue Vorgaben umgesetzt werden müssen. Zu wenig bewusst ist aus meiner Sicht, dass Europa nicht nur reguliert, sondern auch schützt, Standards setzt und gemeinsame Lösungen ermöglicht. Gerade im öffentlichen Dienst ist das jeden Tag spürbar.


