Bekämpfung strategischer Korruption – Der Zeitpunkt ist jetzt! | EBD Dialog zur Aserbaidschan-Affäre
Beim EBD Dialog "Strategische Korruption und die Rolle des Europarates" diskutierte die Europäische Bewegung Deutschland e.V. (EBD) gemeinsam mit Transparency International Deutschland e.V. (TID) aktuelle Herausforderungen im Umgang mit systemischer Einflussnahme auf demokratische Institutionen. Im Fokus standen insbesondere Formen strategischer Korruption, ihre Auswirkungen auf europäische Entscheidungsprozesse sowie (strafrechtliche) Lehren aus der Aserbaidschan-Affäre für Transparenz.
Das digitale Event wurde von Dr. Anna-Maija Mertens, Präsidentin der EBD sowie Alexandra Herzog, Vorstandsvorsitzende von TID, eröffnet. Beide betonten die Bedeutung eines konsequenten Vorgehens gegen Korruption als zentrale Voraussetzung für das Vertrauen in demokratische Institutionen und die Glaubwürdigkeit Europas nach innen wie außen. Die Aserbaidschan-Affäre habe gezeigt, wie anfällig Institutionen für gezielte Einflussnahme sein können und wie wichtig robuste Kontrollmechanismen seien.
Auf dem anschließenden Panel diskutierten Frank Schwabe MdB (SPD, Parlamentarischer Staatssekretär im BMJV und Mitglied der deutschen Delegation der Parlamentarischen Versammlung des Europarates), Filiz Polat MdB (Bündnis 90/Die Grünen, ebenfalls Delegationsmitglied), Staatsanwalt Radbod Rad (Staatsanwaltschaft Düsseldorf) sowie Margarete Bause (Vorstandsmitglied von TID) anhand konkreter Fallbeispiele zentrale strukturelle Herausforderungen mit Blick auf strategische Korruption. Unter strategischer Korruption definiert Transparency International den gezielten, langfristigen Einsatz korrupter Mittel durch autokrate Staaten, um politische oder wirtschaftliche Entscheidungen in anderen Ländern in ihrem Sinne zu beeinflussen. Im Fokus der Diskussion standen insbesondere Mechanismen der Einflussnahme, etwa durch sogenannte „Caviar-Diplomatie“, sowie Defizite in Aufklärung und Sanktionierung. Auch die Rolle internationaler Kontrollinstanzen wie des Europarats und seiner Gremien wurde kritisch beleuchtet.
Sowohl über die strafrechtliche Aufarbeitung der Aserbaidschan-Affäre als auch die politische Verantwortung und die Notwendigkeit institutioneller Reformen wurde gesprochen. Hervorgehoben wurden strengere Transparenzregeln und wirksame Compliance-Strukturen sowie die Komplexität grenzüberschreitender Korruptionsnetzwerke. Zudem wurde die zentrale Rolle gesellschaftlicher Akteure im Kampf gegen strategische Korruption betont.
In der Diskussion wurde deutlich, dass strategische Korruption gezielt eingesetzt wird, insbesondere von autoritären Kräften, um politische Entscheidungen zu beeinflussen und demokratische Prozesse zu untergraben. Neben strengeren Transparenzvorgaben wurden auch eine bessere internationale Zusammenarbeit sowie eine Stärkung bestehender Kontrollmechanismen als zentrale Handlungsfelder identifiziert.
Moderiert wurde die Veranstaltung von Christoph Kowalewski, EBD Democracy Ambassador und Mitglied von Transparency Deutschland.
Abschließend wurde betont, dass der Kampf gegen strategische Korruption entschlossenes, gemeinsames Handeln von Politik, Justiz und Zivilgesellschaft verlangt. Klare Regeln, ihre konsequente Anwendung und mutige Reformen sind unerlässlich, um die Integrität von Institutionen dauerhaft zu schützen.
Mehr zum Thema Antikorruption finden Sie auf der Prioritätenseite TransparenzEU der EBD-Politik. Weitere Informationen zum Europarats-Projekt der EBD finden Sie hier.


