EBD-Umfrage: Die Rolle von Unternehmen für die demokratische Resilienz in Deutschland
Ergebnisse einer repräsentativen YouGov Umfrage unter Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern in Unternehmen im Auftrag von der Europäischen Bewegung Deutschland e.V.
Die vorliegende Umfrage wurde im Rahmen eines Projekts der EBD mit dem Europarat in Auftrag gegeben. Ausgangspunkt ist die Frage, welche Verantwortung unterschiedliche gesellschaftliche Akteure bei der Verteidigung demokratischer Strukturen tragen und welche Rolle dabei insbesondere der Wirtschaft zukommt.
Im Folgenden finden Sie eine Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse der Befragung. Eine vollständige Darstellung aller Ergebnisse finden Sie hier.
Methodische Hinweise
Die Ergebnisse basieren auf einer Onlinebefragung von 505 Führungskräften mit Entscheidungsverantwortung in Unternehmen mit 50 oder mehr Beschäftigten, die in Deutschland tätig sind. Befragt wurden Personen aus dem mittleren Management sowie höheren Führungsebenen. Die Datenerhebung erfolgte über das YouGov Panel Deutschland im Zeitraum vom 15. bis 27. Mai 2026. Die Stichprobe wurde vorquotiert und zusätzlich nach Alter, Geschlecht, Region, Unternehmensgröße und Wirtschaftssektor gewichtet.
Die große Mehrheit der Befragten (71 %) gehört dem mittleren Management an. Weitere 17 Prozent sind im oberen Management tätig, 7 Prozent gehören der Geschäftsführung an und 4 Prozent sind Inhaberinnen, Inhaber oder Partnerinnen bzw. Partner ihrer Unternehmen.
Die EBD-Umfrage bestätigt: Demokratische Stabilität, Rechtsstaatlichkeit und Vertrauen in Institutionen sind nicht nur politische Werte. Sie bilden für wirtschaftliche Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger zentrale Voraussetzungen für Planungssicherheit, Investitionen, fairen Wettbewerb und wirtschaftlichen Erfolg.
Demokratie als Stabilitätsrahmen
Die Mehrheit der Führungskräfte in mittleren und größeren Unternehmen sieht Demokratie als relevanten Stabilitätsrahmen. Vor allem die Aspekte Schutz von Grund- und Freiheitsrechten, Rechtsstaatlichkeit, und freie Wahlen werden als wichtig für demokratische Stabilität befunden. Dieses Verständnis erstreckt sich auch auf die europäische Ebene: 58 Prozent bewerten die EU-Mitgliedschaft als vorteilhaft für ihr Unternehmen, womit die EU als wirtschaftlicher Stabilitätsanker gilt.
Knapp die Hälfte (44 Prozent) sieht einen Zusammenhang zwischen demokratischer Stabilität und wirtschaftlichem Erfolg insbesondere in Planungssicherheit und verlässlichen Rahmenbedingungen.
Damit einher geht auch ein Verantwortungsbewusstsein: Vier von fünf Befragte (81 %) sehen wirtschaftliche Akteure grundsätzlich in der Verantwortung, zum Schutz der Demokratie beizutragen.
Zustimmung für Maßnahmen zu Grundsatzfragen, Ablehnung von Parteipolitik
Das Verantwortungsgefühl ist jedoch nicht grenzenlos. Die Ergebnisse zeigen eine klare Präferenz für überparteiliche, grundsatzbezogene und in der Gesellschaft verankerte Formen des Engagements, wenn danach gefragt wird, bei welchen Maßnahmen das Unternehmen aktiver sein sollte. Öffentliche Positionierungen zu demokratischen Grundsatzfragen (71 %), die Unterstützung gesellschaftlicher Organisationen (70 %) sowie das Eintreten gegen antidemokratische Bewegungen (67 %) finden breite Zustimmung. Tagespolitische Positionierungen (52 %) werden hingegen deutlich vorsichtiger bewertet und parteipolitische Kritik oder Unterstützung (37 %) wird mehrheitlich abgelehnt.
Diese Unterscheidung der Arten der Maßnahmen spiegelt sich auch bei den aktuell schon umgesetzten externen Maßnahmen wider, wobei ein Drittel (32 %) keine Maßnahmen umsetzt.
Motivation für Engagement: Normative Gründe und wirtschaftlicher Eigennutz
43 Prozent der Befragten geben an, dass die Bedeutung demokratierelevanter Themen in ihrem Unternehmen in den letzten fünf Jahren gestiegen ist und das Thema zunehmend auf der unternehmerischen Agenda ankommt. Als wichtigste Gründe für Engagement in dem Bereich wurden am häufigsten normative Begründungen genannt (38 %), etwa dass Unternehmen eine gesellschaftliche Verantwortung hätten. Dahinter folgen wirtschaftliche Motive: Rund drei von zehn Befragten (30 %)
sehen im Engagement einen direkten Vorteil für das eigene Unternehmen, etwa durch Planungssicherheit, Reputationsgewinn oder wirtschaftliche Stabilität.
Hürden für aktives Demokratieengagement
Zwischen Haltung und Handlung besteht offenbar ein Engagement-Gap. Zwar befürworten viele Befragte stärkere Aktivitäten, doch deutlich weniger Unternehmen setzen entsprechende Maßnahmen bereits um. Die Gründe dafür liegen nicht in fehlender Bereitschaft, sondern auch in konkreten Risiken wie Polarisierung im Unternehmen (32 %), Reputationsrisiken (28 %), rechtlicher Unsicherheit (24 %) und der Sorge vor dem Verlust von Kunden oder Geschäftspartnern (22 %).
EU-Mitgliedschaft mit Vorteilen verbunden
Besonders deutlich ist die positive Einstellung gegenüber der EU-Mitgliedschaft Deutschlands: Diese wird von einer deutlichen Mehrheit der Befragten positiv bewertet. Lediglich 13 Prozent sehen in der deutschen EU-Mitgliedschaft überwiegend Nachteile.
Besonders deutlich wird dieser Befund bei denjenigen wirtschaftlichen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern, die mit dem Zustand der Demokratie in der Europäischen Union unzufrieden sind: Selbst in dieser Gruppe überwiegt die Einschätzung, dass Deutschland von der EU-Mitgliedschaft profitiert.
Quelle: "YouGov Research Services" 2026 © Alle Rechte vorbehalten.


