Nachgefragt bei… Steffi Grimm
Im Rahmen einer dreiteiligen Ausgabe von "Nachgefragt bei ..." sprechen in diesem Monat drei EBD-Vorstandsmitglieder, die sich aus dem Vorstand verabschieden, über ihre Erfahrungen und Perspektiven.
In diesem Beitrag beantwortet Steffi Grimm, Büroleiterin der stellvertretenden DGB-Vorsitzenden Elke Hannack und Delegierte für ver.di und den DGB, unsere Fragen. Im Kurzinterview blickt sie auf ihre Zeit im EBD-Vorstand zurück, spricht über aktuelle europapolitische Herausforderungen sowie ihre Wünsche für die Zukunft.
Frau Grimm, welche europapolitische Frage wird aus Ihrer Sicht in Deutschland unterschätzt?
Steffi Grimm: Die soziale Dimension Europas wird noch immer unterschätzt. Viele Debatten über Europa drehen sich um wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit, um Außenpolitik oder Sicherheit. Das sind wichtige Themen. Gleichzeitig entscheidet sich die Akzeptanz Europas im Alltag vieler Menschen daran, ob Europa soziale Sicherheit, faire Arbeits- und Lebensbedingungen ermöglicht. Europäische Mindeststandards bei Arbeitsschutz, Mitbestimmung oder Tarifbindung sind keine Nebenthemen, sondern zentral für die Zukunftsfähigkeit Europas.
Sie kommen aus der gewerkschaftlichen Arbeit: Wo erleben Beschäftigte Europa heute ganz konkret im Alltag – und wo bleibt Europapolitik aus Ihrer Sicht noch zu abstrakt oder zu weit weg?
Steffi Grimm: Europäische Regelungen betreffen den Arbeitsalltag in vielen Bereichen: Beim Arbeitsschutz, bei Arbeitszeiten, beim Datenschutz oder bei Rechten für mobile Beschäftigte innerhalb des Binnenmarktes. Auch Fragen wie Lieferketten, Transformation der Industrie oder Qualifizierungsprogramme werden zunehmend europäisch gestaltet.
Gleichzeitig bleibt Europapolitik für viele Menschen abstrakt, weil politische Prozesse oft technokratisch wirken und europäische Entscheidungen selten verständlich erklärt werden. Deshalb braucht Europa mehr sichtbare Beteiligung, mehr politische Übersetzung und mehr Orte, an denen europäische Fragen mit dem Alltag der Menschen erfahrbar werden.
Was nehmen Sie persönlich aus Ihrer Arbeit im EBD-Vorstand mit – und welchen Wunsch oder Rat würden Sie dem Netzwerk für die kommenden Jahre mitgeben?
Steffi Grimm: Ich nehme aus der Arbeit im EBD-Vorstand vor allem mit, wie wertvoll der Austausch zwischen sehr unterschiedlichen gesellschaftlichen Perspektiven, Organisationen und Netzwerken ist! Die Stärke des Netzwerkes Europäische Bewegung Deutschland liegt gerade darin, unterschiedliche Akteurinnen und Akteure aus verschiedenen Bereichen zusammenzubringen. Das ist in dieser polarisierten Zeit leider nicht selbstverständlich.
Für die kommenden Jahre wünsche ich der EBD, dass sie weiterhin mutig Brücken baut – zwischen Institutionen und Bürgerinnen und Bürgern, zwischen nationaler und europäischer Ebene und auch zwischen unterschiedlichen politischen und gesellschaftlichen Interessen. Europa braucht gerade jetzt Räume für konstruktiven Dialog, demokratische Verständigung und konkrete Zusammenarbeit.
Weitere Interviews der Reihe: Barbara Lochbihler und Clara Föller.


