Zwischen Unsicherheit und vorsichtigem Optimismus | EBD De-Briefing EZB-Rat
Beim De-Briefing der Europäischen Bewegung Deutschland (EBD) am Freitag, den 11. September 2026, standen die Ergebnisse und Hintergründe der jüngsten Sitzung des EZB-Rats im Mittelpunkt.
Für die EZB waren Fédéric Holm-Hadulla, Senior Adviser bei der Europäischen Zentralbank (EZB) und Eva Taylor, Head of Section Strategic Communications bei der Europäischen Zentralbank (EZB) zu Gast. Die Begrüßung übernahm Dr. Reinhold Rickes, Chefvolkswirt beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV). Das De-Briefing fand in Zusammenarbeit bei unserer Mitgliedsorganisation, dem Deutschen Sparkassen- und Giroverband e.V. (DSGV), statt.
Geldpolitische Lage im Euroraum
Der EZB-Rat hat die drei Leitzinsen um 25 Basispunkte angehoben. Der Zinssatz für die Einlagefazilität liegt damit bei 2,50 %, der Hauptrefinanzierungssatz bei 2,65 % und der Spitzenrefinanzierungssatz bei 2,90 %.
Hintergrund ist insbesondere der starke Anstieg der Energiepreise infolge des Krieges im Nahen Osten. Für 2026 wird eine Inflationsrate von 3,0 % erwartet. Gleichzeitig zeigt sich die Wirtschaft des Euroraums widerstandsfähiger als erwartet. Die Wachstumsprognose für 2026 wurde auf 0,9 % angehoben, in Deutschland auf 1,1%. Auch die Arbeitslosenquoten sind auf historischen Tiefständen, wobei der Anstieg der Arbeitslosigkeit in Deutschland weiterhin für Unsicherheit sorgt.
Hohe Unsicherheit durch Energiepreise
Im Mittelpunkt der EZB-Ratssitzung und der Diskussion im Rahmen des De-Briefings stand die Frage, wie sich der Energiepreisschock auf die weitere Inflationsentwicklung auswirkt. Neben den direkten Effekten auf Verbraucher und Unternehmen sind insbesondere mögliche Zweitrundeneffekte auf Löhne, Preise und Inflationserwartungen relevant. Die EZB betrachtet deshalb verschiedene Szenarien und betont die weiterhin außergewöhnlich hohe Unsicherheit.
Ein Angebotsschock könne nicht unmittelbar durch Geldpolitik beseitigt werden. Entscheidend sei jedoch, die Inflationserwartungen stabil zu halten und eine dauerhafte Verfestigung des Inflationsdrucks zu verhindern.
Für die kommenden Sitzungen bleibt die EZB bei einem datenabhängigen Kurs. Weitere Zinsschritte werden nicht vorweggenommen. Angesichts der zeitlichen Verzögerung geldpolitischer Maßnahmen sei ein vorsichtiges Vorgehen besonders wichtig.

Euro und Europas Zukunft
Auch die Rolle des Euro in einer zunehmend multipolaren Welt wurde diskutiert. Die Stärkung der europäischen geldpolitischen und wirtschaftlichen Souveränität gewinnt dabei an Bedeutung. Der digitale Euro wurde als wichtiger Baustein für einen zukunftsfähigen europäischen Zahlungsverkehr eingeordnet. Gleichzeitig soll Bargeld weiterhin eine wichtige Rolle behalten.
Trotz des Energiepreisschocks und anhaltenden Inflationsdrucks war die Grundstimmung von vorsichtigem Optimismus geprägt. Die überraschend robuste wirtschaftliche Entwicklung und der widerstandsfähige Arbeitsmarkt wurden als positive Signale gewertet. Das De-Briefing machte deutlich: Trotz erhöhter Inflation bleibt die europäische Wirtschaft resilient. Die EZB setzt angesichts der hohen Unsicherheit auf einen vorsichtigen, datenabhängigen Kurs und sieht Europa zugleich vor der Aufgabe, seine wirtschaftliche und geldpolitische Stabilität weiter zu stärken.


